Die RK Royal Kludge R99 verbindet ein kompaktes 1800-Format mit vollwertigem Nummernblock und kostet weniger als 100 Euro. In meinem Test zeigte sich die Tastatur als massives, ordentlich verarbeitetes Arbeitsgerät, das trotz seines Gewichts auch zwischen Home-Office und Pendler-Rucksack wechseln kann. Der größte Kompromiss bleibt das US-Layout.
Design, Gehäuse und Verarbeitung im Halo-Weiß-Look

Die Halo-Ausführung kombiniert Weiß und Blau mit transparenten Akzenten an den Tastenkappen. Besonders auffällig ist die gebogene RGB-Lichtleiste an der Rückseite, die angenehm homogen leuchtet, ohne einzelne LED-Punkte erkennen zu lassen.
Das Gehäuse besteht aus stabilem ABS-Kunststoff. Im Inneren federt die elastisch entkoppelte Gasket-Mount-Lagerung harte Anschläge sanft ab. Die Verarbeitung ist insgesamt sehr gut gelungen. Lediglich bei einzelnen Tastenkappen sitzt die Beschriftung minimal versetzt, was im Alltag kaum auffällt.
Technische Daten der RK Royal Kludge R99
Technische Daten der RK Royal Kludge R99
| Eigenschaft | Spezifikation |
|---|---|
| Layout | ANSI-US-QWERTY, 1800- oder 96-Prozent-Format, 101 Tasten |
| Abmessungen | 402 mal 140 mal 43 Millimeter (Anleitung nennt Toleranz von plus minus 2 Millimetern) |
| Gewicht | Herstellerangabe 1,6 Kilogramm, wir haben 1,2 kg gemessen. |
| Verbindung | USB-C-Kabel, 2,4-GHz-Dongle und Bluetooth 5.0 |
| Bluetooth-Profile | Bis zu drei Geräte koppelbar über Tastenkombinationen |
| Akku | 10.000 Milliamperestunden, kein Schnellladen |
| Schalter | RK Linear Cream, RK Linear Violet oder RK Tactile Beige |
| Hot-Swap | 3-Pin- und 5-Pin-Sockel für mechanische MX-Schalter |
| Beleuchtung | RGB pro Taste mit südlich ausgerichteten LEDs plus gebogene Rückleiste |
| Software | RK Launcher Desktop-Anwendung und Web-Treiber |
| Polling-Rate | Laut RK bis zu 8.000 Hertz über Kabel und Funk |
Layout-Check: 99 Tasten und der ANSI-QWERTY-Alltag

Auf den ersten Blick bietet die Tastatur fast alles, was eine Standardtastatur auszeichnet: F-Tastenreihe, Ziffernblock, Pfeiltasten und Navigationsblock. Allerdings rückt die R99 diese Blöcke ohne nennenswerte Zwischenräume eng zusammen. RK gibt 101 Tasten an. Unser Testgerät kommt ebenfalls auf 101 Tasten.
Entscheidend ist der praktische Platzgewinn auf dem Schreibtisch. Die Tastatur spart gegenüber klassischen 100-Prozent-Modellen rund vier bis sechs Zentimeter Breite ein, was deiner Maushand deutlich mehr Bewegungsspielraum verschafft. Die Pause-Taste fehlt, während wichtige Navigationstasten wie Einfügen, Löschen, Bild-auf und Bild-ab vorhanden sind, wenn auch an leicht veränderten Positionen.
QWERTY-Kompromiss: Deutsche Umlaute sinnvoll einrichten

Die R99 wird ausschließlich mit ANSI-US-QWERTY-Layout angeboten. Deutsche Umlaute fehlen auf den Tastenkappen, Z und Y sind vertauscht und die Eingabetaste fällt schmaler aus. Für Gaming und Programmierung kann das Layout durchaus praktisch sein, bei längeren deutschen Texten wird es ohne Gewöhnung allerdings mühsam.
Unter Windows kannst du die Tastaturbelegung auf Deutsch umstellen. Die Eingaben folgen dann der deutschen Belegung, während die aufgedruckten Beschriftungen weiterhin US-QWERTY zeigen.
Für individuelle Anpassungen legst du im RK Launcher am besten ein separates DE-ANSI-Profil an. Speichere die Änderungen über USB und prüfe anschließend in einem Texteditor, ob alle Tasten korrekt reagieren.

Ein vollständiger Umbau auf ISO-DE ist nicht möglich. Die einzeilige Enter-Taste und die lange linke Shift-Taste bleiben auch mit anderen Keycaps erhalten.
Wer täglich lange deutsche Texte schreibt und auf die Tastenbeschriftung angewiesen ist, fährt mit einer echten ISO-DE-Tastatur besser.
Tippgefühl und Soundkulisse mit den RK Linear Cream

In meinem Exemplar arbeiten vorgeschmierte RK Linear Cream Schalter. Alternativ existieren Varianten mit violetten Linear-Switches sowie taktilen Schaltern, die je nach Shop variieren. Die Cream-Switches lösen bei leichten 45 Gramm Betätigungskraft aus, erreichen ihren Durchdrückpunkt bei etwa 55 Gramm und besitzen einen Vorlaufweg von 2,0 Millimetern bei 3,4 Millimetern Gesamthub.
Die Tasten fühlen sich beim Tippen sehr wertig an. Der Tastenanschlag fällt dank der werkseitigen Schmierung angenehm sanft und gleichmäßig aus, ohne dass ein Kratzen spürbar wäre. Das erzeugt insgesamt ein rundes Schreibgefühl für Vielschreiber und Zocker, die es gerne etwas leiser mögen.
Dämmung und Klangbild im Alltag
Im direkten Klangtest überzeugt die R99 mit einem satten, angenehm gedämpften Anschlaggeräusch. Wie sich das Board mit und ohne Mauspad als Unterlage anhört, kannst du in unserem Testvideo selbst vergleichen.
Im Inneren arbeiten mehrere Dämmschichten, darunter Poron-Schaum zwischen Schalterplatte und Platine sowie zusätzliche Füllungen im Gehäuseboden. Das reduziert den typischen Hohlklang deutlich. Größere Tasten mit Stabilisatoren klingen etwas anders als die Buchstabentasten, insgesamt bleibt die Akustik aber angenehm kontrolliert.
Komplett lautlos ist die R99 deshalb nicht. Wer tatsächlich geräuschlos tippen möchte, muss spezielle Silent-Switches nachrüsten.
Konnektivität und Akku: Tri-Mode im Praxiseinsatz

Die R99 verbindet sich wahlweise über USB-C, Bluetooth 5.0 oder 2,4-GHz-Funk. Im Test liefen alle drei Verbindungsarten ohne Abbrüche. Den USB-Dongle verstaut RK clever unter einem der ausklappbaren Standfüße.
Über Bluetooth lassen sich bis zu drei Geräte koppeln und per Fn plus Q, W oder E wechseln. Für den 2,4-GHz-Modus nutzt du Fn plus P. Der Wechsel zwischen Arbeits-Laptop, Tablet und Gaming-Rechner funktioniert damit ohne lästiges Umstecken.
10.000-mAh-Akku und Polling-Rate
Mit einem üppig dimensionierten Akku von 10.000 Milliamperestunden distanziert sich die R99 von vielen Mitbewerbern, die oft bei 3.000 bis 4.000 Milliamperestunden verharren. Bei mittlerer LED-Helligkeit liegt die Laufzeit bei etwa zwei bis drei Wochen, was für kabellose Tastaturen mit hellen Lichtleisten noch immer ein respektabler Wert ist.
Die R99 unterstützt kein Schnellladen. Den Akkustand kannst du jederzeit über Fn plus Eingabetaste prüfen: Die Zifferntasten von 1 bis 0 zeigen den Füllstand in Zehnerschritten an.
RK bewirbt das Board zudem mit einer Polling-Rate von bis zu 8.000 Hertz und 0,125 Millisekunden Reaktionszeit über Funk und Kabel.
Im Gaming-Alltag konnten wir keine störenden Eingabeverzögerungen feststellen. Ob die beworbenen 8.000 Hertz tatsächlich erreicht werden und welchen Vorteil sie gegenüber niedrigeren Abtastraten bringen, können wir ohne entsprechende Hardware-Messungen allerdings nicht bestätigen.
Software: RK Launcher und Web-Treiber
Im RK Launcher kannst du Tasten neu belegen, Makros erstellen, Polling-Raten anpassen und die RGB-Beleuchtung konfigurieren.
Im Test zeigte sich allerdings ein deutlicher Unterschied zwischen den Verbindungsarten: Über USB werden Änderungen schnell übernommen, während das Abspeichern über 2,4-GHz-Funk spürbar länger dauert.
Neben der Desktop-Anwendung stellt RK einen Web-Treiber für grundlegende Einstellungen bereit. Erweiterte Funktionen wie Aurora Linkage benötigen dagegen die installierte Software. Eine Unterstützung für QMK oder VIA gibt es nicht.
Bro-TippRichte deine Profile direkt am USB-Kabel ein und prüfe anschließend alle Tasten im Editor. Auch Firmware-Updates solltest du ausschließlich über die feste Kabelverbindung durchführen.
Hot-Swap und Gehäuse-Modding

Ein großer Pluspunkt der Tastatur ist die Platine mit Hot-Swap-Sockeln. Die Switches lassen sich problemlos gegen andere Switches wechseln, ohne dass du den Lötkolben anheizen musst. Die Sockel nehmen sowohl 3-Pin- als auch 5-Pin-Schalter im gängigen Cherry-MX-Format auf. Gefällt dir die lineare Charakteristik der Cream-Schalter nicht mehr, steckst du innerhalb weniger Minuten taktile oder klickende Alternativen ein.
Geht es jedoch an das Öffnen des eigentlichen Gehäuses, stößt du an Grenzen. Die Demontage des Kunststoffgehäuses ist äußerst fummelig. Unter anderem sitzt eine versteckte Schraube unter einem der hinteren Gummifüße, und die Plastiknasen brechen bei zu viel Hebelkraft leicht ab. Tausche also Schalter und Kappen nach Belieben, aber lass das Gehäuse am besten unberührt.
Modellvergleich und Kaufentscheidung
Wer eine Alternative zur R99 sucht, findet im Sortiment von Royal Kludge mehrere kompakte Tastaturen mit Nummernblock. Besonders bei Akku, Layout und Zusatzausstattung unterscheiden sich die Modelle deutlich.
RK R99 im Vergleich: S98, RK98 und R98 Pro
| Modell | Layout / Tasten | Verbindung | Akku | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| RK R99 | US-QWERTY, 101 Tasten | USB, Bluetooth, 2,4 GHz | 10.000 mAh | Curved RGB Light Bar, Hot-Swap, 8K-Polling laut Hersteller |
| RK S98 | 96 Tasten; auch als S98-DE erhältlich | USB, Bluetooth, 2,4 GHz | 3.750 mAh | Smart-Display und Drehregler; ISO-DE ist die deutlich bequemere Wahl für deutsche Beschriftung |
| RK98 | 100 Tasten, kompaktes Full-Size | USB-C, Bluetooth 5.1, 2,4 GHz | 3.750 mAh | Älteres Tri-Mode-Modell mit Hot-Swap und RGB |
| R98 Pro | 98%-Layout mit Nummernblock | Kabellos und kabelgebunden | 7.500 mAh | Drehregler, Gasket-Mount, südseitiges RGB und Hot-Swap |
Stärken, Schwächen und Endwertung
Die folgende Gegenüberstellung fasst die wichtigsten Vor- und Nachteile der RK R99 übersichtlich zusammen.
Stärken und Schwächen der RK R99
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Kompaktes 1800-Format spart Platz und behält den Ziffernblock | Ausschließlich im US-QWERTY-Layout erhältlich |
| Tri-Mode-Funkverbindung für bis zu drei Bluetooth-Geräte | Software ohne Unterstützung für QMK oder VIA |
| Extrem ausdauernder 10.000-mAh-Akku | Kein Schnellladen integriert |
| Werkseitig geschmierte Schalter für sanften Tastenanschlag | Gehäuse lässt sich für tiefes Modding nur schwer öffnen |
| Vollständige Hot-Swap-Unterstützung für 3- und 5-Pin-Switches | Einstellungen speichern über Funk spürbar langsamer als per Kabel |
| Auffällige RGB-Inszenierung mit homogener Rückleiste | Nicht komplett lautlos trotz mehrfacher Dämpfung |
Fazit
Die RK Royal Kludge R99 liefert für unter 100 Euro eine Verarbeitungs- und Klangqualität, die man vor Kurzem erst ab der doppelten Summe bekam. Gasket-Mount, vorgeschmierte Linear-Switches und der riesige 10.000-mAh-Akku machen sie zu einem grundsoliden Arbeitstier für Gaming und Office.
Der Software-Treiber speichert Änderungen über Funk spürbar langsamer, weshalb du größere Anpassungen besser direkt am USB-Kabel erledigst. Tiefgreifende Firmware-Optionen wie QMK oder VIA fehlen ebenfalls.
Der Knackpunkt bleibt das physische ANSI-Layout. Wenn du viel auf Deutsch schreibst und die Tastenbeschriftung brauchst, greif lieber direkt zur RK S98 mit echtem ISO-DE-Layout.
Kommst du mit US-QWERTY klar und suchst ein kompaktes Board mit Nummernblock, bekommst du mit der R99 ziemlich viel Tastatur fürs Geld. Die Verarbeitung, das satte Tippgefühl und die umfangreiche Ausstattung überzeugen uns in dieser Preisklasse so sehr, dass wir trotz der genannten Einschränkungen 4 von 5 Sternen vergeben. Die RK ROYAL KLUDGE R99 findest du auch bei Amazon.Affiliate-Link
Häufige Fragen
Gibt es die RK R99 auch mit deutschem ISO-DE-Layout?
Die R99 wird im offiziellen Vergleich als US-QWERTY-Modell geführt. Wer ein echtes deutsches Layout inklusive großer ISO-Enter-Taste möchte, sollte eher die verfügbare RK S98-DE ansehen; einzelne ISO-DE-Keycaps ändern die ANSI-Gehäusegeometrie der R99 nicht.
Passen andere Switches in die RK R99?
Ja. Die R99 besitzt Hot-Swap-Sockel und wird in externen Tests als kompatibel mit 3- und 5-poligen MX-Switches beschrieben. Vor dem Einsetzen Pins gerade richten und niemals mit Gewalt drücken.
Welche Keycaps brauche ich für die RK R99?
Du brauchst MX-kompatible Keycaps und ein Set, das Nummernblock sowie die Sondertasten eines kompakten Full-Size-/1800-Layouts abdeckt. Für die originale R99-Geometrie ist ANSI die sichere Wahl; ein ISO-DE-Set ist höchstens eine optische Teilanpassung.
Ist die RK R99 besser als die RK S98?
Nicht pauschal. Die R99 bringt den deutlich größeren 10.000-mAh-Akku und die auffällige RGB-Leiste mit, während die S98 mit Display, Drehregler und einer echten DE-Variante praktischer für deutsche Nutzer sein kann.
Brauche ich für die R99 unbedingt die RK-Software?
Fürs Schreiben, Zocken und die Grundfunktionen nicht. Sie wird relevant, wenn du Tasten, Makros oder Beleuchtung gezielt ändern willst; für sehr komplexe Layer-Setups ist die proprietäre Lösung aber weniger stark als QMK/VIA.



