Razer verlangt für das Clio X rund 110 Euro, liefert aber keinen integrierten Akku mit. Das Gerät ist weder ein klassischer Tischlautsprecher noch ein Kopfhörer, sondern ein Nackenkissen mit eingebauten Lautsprechern, das an die Rückenlehne deines Gaming-Stuhls geschnallt wird.
Zwei angewinkelte Nahfeldtreiber strahlen den Sound direkt auf deine Ohren ab. Du bekommst räumlichen Klang, ohne dass ein drückender Bügel auf deinem Kopf lastet oder die Ohren unter geschlossenen Polstern schwitzen. Im Testvideo gehen wir auf die Klangqualität ein:
Razer Clio X im Überblick: Konzept, Technik und Varianten

Durch die offene Bauweise nimmst du deine Umgebung weiterhin wahr. Gleichzeitig nutzt Razer THX Spatial Audio für virtuellen Raumklang. Das Kissen lässt sich entweder als alleinige Soundausgabe betreiben oder als hinteren Kanal in ein vorhandenes Lautsprecher-Setup einbinden.
Die Idee klingt verlockend, verlangt im Alltag aber einige Kompromisse bei der Stromversorgung und Sitzhaltung.
Was das Lautsprecher-Kissen eigentlich bezweckt
Klassische Gaming-Headsets schirmen dich komplett von der Außenwelt ab, was nicht in jedem Setup erwünscht ist. Wenn du nebenbei die Türklingel hören willst oder dich mit Personen im selben Raum unterhalten möchtest, stößt ein geschlossener Over-Ear-Kopfhörer schnell an seine Grenzen. Das Clio X setzt genau an dieser Schnittstelle an. Durch die offene Bauweise nimmst du deine Umgebung weiterhin unverfälscht wahr, während die Soundeffekte trotzdem unmittelbar an deinem Kopf ankommen.
Razer nutzt dafür THX Spatial Audio, um aus den beiden Stereokanälen eine virtuelle Raumklang-Kulisse zu berechnen. Das System lässt sich dabei auf zwei Arten betreiben: Entweder fungiert das Kopfpolster als deine alleinige primäre Soundausgabe oder du bindest es als hinteren Kanal in ein vorhandenes Setup ein. Wer bereits eine Soundbar oder Stereo-Boxen auf dem Schreibtisch stehen hat, kann das Kissen als Surround-Ergänzung hinter dem Nacken mitlaufen lassen.
Clio X gegen Clio: Wo Razer den Rotstift ansetzt
Neben dem Clio X gibt es das reguläre Razer Clio für rund 189 Euro. Beim günstigeren Modell hat Razer allerdings deutlich an der Ausstattung gespart.
Statt der 43-Millimeter-Aluminiumtreiber kommen kleinere 38-Millimeter-Treiber mit zwei Passivradiatoren zum Einsatz. Schwerer wiegt der Verzicht auf Bluetooth und den integrierten Akku. Das Clio X ist vollständig auf den USB-Funkdongle und eine externe Stromquelle angewiesen. Die Unterschiede findest du in der folgenden Übersicht.
Vergleich zwischen Razer Clio X und Razer Clio Standard
| Merkmal | Razer Clio X | Razer Clio (Standard) |
|---|---|---|
| Treibergröße | 2 x 38 mm Breitbandtreiber | 2 x 43 mm Aluminiumtreiber |
| Bassunterstützung | 2 x 55 mm Passivradiatoren | Passivradiatoren |
| Interner Akku | Nein, rein externer Betrieb | Ja, 5.400 mAh integriert |
| Drahtlos-Standards | Razer HyperSpeed (2,4 GHz) | Razer HyperSpeed und Bluetooth |
| Kabel-Audio | Nein | Nein |
| Stromanschluss | Fest integriertes USB-C-Kabel | USB-C Ladeanschluss |
| UVP bei Markteinführung | 109,99 Euro | ca. 190 Euro |
Montage und Ergonomie: 685 Gramm an der Kopfstütze

In meinem Test zeigte die Waage für das Clio X exakt 685 Gramm an, noch ohne die zusätzlich benötigte Powerbank. Das Kissen nimmt dir zwar das Gewicht vom Schädel, verschiebt die Last aber direkt an die Rückenlehne deines Stuhls.
Der konturierte Schaumstoffkern fällt relativ straff aus. Das verhindert unangenehmes Durchdrücken der Elektronik, schiebt deinen Kopf allerdings spürbar weiter nach vorne. Wer empfindlich auf Veränderungen der Sitzhaltung reagiert, muss hier genau justieren.
Befestigung am Gaming-Stuhl und Passgenauigkeit
Die Montage erfolgt über einen breiten, verstellbaren Nylon-Gurt. Razer nennt dafür Rückenlehnen mit einer Breite von 30 bis 65 Zentimetern, während die Support-Dokumentation an anderer Stelle 40 bis 67 Zentimeter angibt. Miss deine Rückenlehne deshalb vor dem Kauf auf Kopfhöhe nach.
Die Verarbeitung der Halterung ist gut, die Kunststoffschnalle schließt fest und der Gurt schneidet nicht in das Polster ein. Auf glatten Kunstlederbezügen kann das Kissen allerdings langsam nach unten wandern, wenn der Gurt nicht ausreichend gespannt ist. Vorhandene Gurtdurchführungen im Kopfbereich schaffen hier Abhilfe.
Ergonomie im Dauereinsatz: Sitzposition und Polsterung

Entscheidend ist die richtige Höhe. Sitzt das Kissen zu tief, drückt es zwischen die Schulterblätter. Sitzt es zu hoch, schiebt es den Kopf nach vorne und die Treiber zielen nicht mehr richtig auf deine Ohren.
Bei aufrechter Haltung ist der Komfort solide und der Schaumstoff stützt den Nacken zuverlässig ab. Sobald du dich allerdings zurücklehnst, häufig die Position wechselst oder im Stuhl lümmelst, verlässt dein Kopf den Sweetspot der Lautsprecher. Dann wirkt das Kissen schnell klobig und störend.
Die Strom-Falle: Externe Powerbank und Abschalt-Probleme
Der größte Stolperstein des Clio X ist seine Stromversorgung. Da kein interner Akku vorhanden ist, benötigst du zwingend eine externe Stromquelle. Bei knapp 110 Euro Verkaufspreis kommen damit gegebenenfalls weitere 20 bis 40 Euro für eine passende Powerbank hinzu.
Ein langes USB-Kabel zum Schreibtisch-PC ist im Alltag wenig praktikabel, da es ständig im Weg liegt. Für den kabellosen Betrieb am Stuhl ist eine Powerbank deshalb praktisch Pflicht.
Mindestanforderungen nach PD 2.0 im Praxistest
Razer verlangt USB-C Power Delivery 2.0 und nennt mindestens 15 Watt für die volle Lautstärke. Fehlt die PD-Unterstützung, wird die Leistungsaufnahme und damit auch die maximale Lautstärke reduziert.
In meinem Test habe ich zwei Powerbanks mit den genannten Mindestanforderungen ausprobiert. Beide Modelle liefen beim ersten Einschalten nur rund fünf Sekunden, bevor sich das Clio X wieder abschaltete. Offenbar kommt es beim Start oder bei kurzen Lastspitzen zu Problemen mit der Stromversorgung.
Mit Powerbanks ab 20 Watt traten diese Aussetzer im Test nicht auf. Ich würde deshalb direkt zu einem Modell mit mindestens 20 Watt PD greifen.
Wichtiger StromhinweisFür volle Lautstärke fordert Razer eine Powerbank oder ein Netzteil mit USB-C Power Delivery 2.0. Eine einfache USB-A-Powerbank mit Adapter ist dafür keine saubere Lösung.
Kabelverbindung und Unterbringung

Auf der Rückseite befindet sich eine Tasche für die Powerbank und das fest integrierte USB-C-Kabel. Der Reißverschluss hält alles ordentlich zusammen, sodass keine Kabel lose an der Rückenlehne hängen.
Konnektivität und Synapse-Einrichtung

Das Clio X verzichtet auf Bluetooth und überträgt den Sound ausschließlich über den beiliegenden 2,4-Gigahertz-HyperSpeed-Dongle. Razer richtet das Gerät damit klar auf den PC-Einsatz aus. Smartphones und Konsolen lassen sich nicht ohne Weiteres verbinden.
HyperSpeed-Dongle und Windows-11-Verbindung
Die Einrichtung unter Windows 11 verlief problemlos. Dongle in den USB-A-Anschluss stecken, Kissen einschalten und Windows erkennt das Clio X sofort als Audiogerät.
Auch bei schnellen Schusswechseln war kein wahrnehmbarer Versatz zwischen Bild und Ton festzustellen. Die Verbindung blieb während der Nutzung stabil, selbst wenn ich mit dem Stuhl rund zwei Meter zurückrollte. Störungen durch WLAN oder andere Funkgeräte traten ebenfalls nicht auf.
Equalizer und Surround-Setup in Razer Synapse 4
In Synapse 4 legst du fest, ob das Clio X als alleinige Soundausgabe oder als hinterer Kanal eines vorhandenen Lautsprecher-Setups arbeiten soll.
Für die Klanganpassung stehen drei vorgefertigte Profile und ein 10-Band-Equalizer zur Verfügung. Über Audio Mirroring for Stereo Content lassen sich außerdem normale Stereoquellen auf die hinteren Lautsprecher spiegeln.
Damit bleibt die Einrichtung unkompliziert, die erweiterten Funktionen setzen allerdings Synapse voraus.
Klangqualität und Raumklang in Spielen
Die beiden 38-Millimeter-Treiber schlagen sich klanglich ordentlich. Durch die geringe Entfernung zum Ohr erreicht das Kissen eine beachtliche Lautstärke. Höhen und Sprachausgabe klingen klar, beim echten Tiefbass stößt die Konstruktion allerdings an ihre Grenzen. Die Passivradiatoren helfen etwas nach, ein kräftiges Grollen bei Explosionen bleibt trotzdem aus.
Das Klangbild erinnert an offene Kopfhörer, die mit etwas Abstand vor den Ohren schweben. Dadurch wirkt der Sound angenehm luftig, allerdings hört deine Umgebung sämtliche Spielgeräusche mit. Für gemeinsam genutzte Räume ist das Clio X deshalb nur bedingt geeignet.
Audio-Performance in Arc Raiders und Wardogs
Im Praxistest mit Arc Raiders und Wardogs kommt der Sound gut rüber. Gerade in Arc Raiders lassen sich vorbeifliegende Drohnen und Geräusche hinter dem Spieler erstaunlich gut verorten. Der virtuelle 7.1-Effekt wirkt durch die Positionierung der Treiber hinter dem Kopf räumlich und natürlich.
Trotzdem erreicht ein gutes virtuelles 7.1-Headset aus meiner Sicht ein vergleichbares Ergebnis. Das Clio X klingt offener und freier, liefert aber keinen entscheidenden Vorteil bei der Ortung von Gegnern oder Schritten.
Surround-Erweiterung für bestehende Lautsprecher-Setups
Interessanter wird das Clio X als Ergänzung vorhandener Desktop-Lautsprecher. Während deine Frontlautsprecher oder der Subwoofer die Bässe übernehmen, liefert das Kissen die hinteren Raumanteile.
Gerade Projektilgeräusche, Schritte und Umgebungsgeräusche profitieren von dieser Aufteilung. Gleichzeitig fällt der schwächere Bass des Clio X im Mischbetrieb deutlich weniger ins Gewicht.
Wer bereits ein ordentliches 2.0- oder 2.1-System besitzt, bekommt damit eine platzsparende Surround-Erweiterung, ohne zusätzliche Lautsprecher hinter dem Stuhl aufstellen zu müssen.
Stärkste EinsatzmöglichkeitDer Clio X spielt seine Idee am besten als Rear-Erweiterung aus: Vorhandene 2.0- oder 2.1-Lautsprecher bleiben vorne, das Kopfpolster ergänzt den hinteren Raumanteil.
Razer Clio X vs. virtuelles 7.1-Headset: Für wen lohnt sich der Kauf?
Das Clio X löst das Problem drückender Headsets, schafft dafür aber neue Einschränkungen. Statt warmer Ohren hast du ein 685 Gramm schweres Kissen im Nacken, das genau eingestellt werden muss und eine externe Stromquelle benötigt. Die wichtigsten Unterschiede zeigt die folgende Übersicht.
Razer Clio X im Vergleich mit einem klassischen virtuellen 7.1-Headset
| Vergleichspunkt | Razer Clio X | Klassisches virtuelles 7.1-Headset |
|---|---|---|
| Grundidee | Zwei Nahfeldtreiber hinter dem Kopf erzeugen offenen Raumklang | Zwei Ohrmuscheln simulieren Surround direkt am Ohr |
| Tragegefühl | Kopf bleibt frei, dafür 685 g Zusatzpolster am Nacken | Druck auf Schädel und Ohren, Stuhllehne bleibt neutral |
| Abschirmung | Komplett offen, Raumgeräusche hörbar, Ton dringt nach außen | Geschlossen, dämpft Außengeräusche, stört niemanden |
| Ortung in Spielen | Gut wahrnehmbar, offene Räumlichkeit | Äußerst präzise, direkte Kanaltrennung |
| Stromversorgung | Externe USB-C-Powerbank mit min. 20 W PD nötig | Integrierter Akku oder einfaches USB-Kabel |
| Anschluss-Vielfalt | Nur PC via 2,4-GHz-Dongle | PC, Konsolen, oft auch Bluetooth für Smartphones |
| Kostenfaktor | 109,99 Euro UVP plus ca. 30 Euro für Powerbank | Ab ca. 60 bis 150 Euro als All-in-One-Lösung |
Vor- und Nachteile auf den Punkt gebracht
Dafür
- Räumlicher Klang ohne drückenden Bügel oder warme Ohren.
- Solide Ortung bei kompatiblen Spielen über THX Spatial Audio.
- Lässt sich hervorragend als kabelloser Rear-Lautsprecher für PC-Boxen nutzen.
- Stabile, latenzfreie HyperSpeed-Funkverbindung am Windows-PC.
- Hochwertig verarbeiteter Gurt und unauffällige Unterbringung der Powerbank.
- Umfangreiche Klanganpassung über die Synapse-Software.
Dagegen
- Keine Powerbank im Lieferumfang enthalten, verursacht zwingend Zusatzkosten.
- Sehr wählerisch bei der Stromzufuhr, 15-Watt-Powerbanks schalten im Praxistest oft ab.
- Festes USB-C-Kabel ohne Adapter, ältere Akkus mit USB-A sind inkompatibel.
- Hohes Eigengewicht von 685 Gramm
- Keinerlei Bluetooth-Funktionalität und kein analoger Audioeingang.
- Klanglicher Mehrwert reicht nicht an den Detailgrad eines guten Headsets heran.
Fazit & Wertung
Ich gebe dem Razer Clio X insgesamt 3 von 5 möglichen Sternen. Kauf das Razer Clio X, wenn du Headsets wegen drückender Bügel meiden willst oder deine vorhandenen Desktop-Lautsprecher um kabellose Rear-Kanäle ergänzen möchtest. Gerade als Surround-Erweiterung macht das Konzept durchaus Spaß.
Als vollwertiger Headset-Ersatz überzeugt es mich weniger. Der Tiefbass bleibt begrenzt, das feste 685-Gramm-Kissen verändert deine Sitzhaltung und deine Umgebung hört sämtliche Spielgeräusche mit.
Besonders ärgerlich ist die Stromversorgung. Ohne internen Akku benötigst du zwingend eine externe Powerbank. Die von Razer genannten 15 Watt reichten bei meinen beiden getesteten Modellen nicht aus. Plane deshalb direkt eine USB-C-Powerbank mit PD 2.0 und mindestens 20 Watt ein.
Für rund 110 Euro zuzüglich Powerbank ist mir der gebotene Mehrwert insgesamt zu gering. Ein gutes Gaming-Headset bleibt für die meisten Spieler die unkompliziertere Lösung. Das Razer Clio X findest du auch bei AmazonAffiliate-Link.
Häufige Fragen
Kann ich den Razer Clio X an einem Stuhl von Secretlab, Backforce oder Ikea nutzen?
Grundsätzlich ja, wenn es ein hoher Stuhl ist und der Kopfbereich zwischen 30 und 65 cm breit ist. Vor dem Kauf trotzdem messen: Entscheidend sind Breite, Form und eine Fläche, auf der der Gurt nicht wegrutscht.
Welche Powerbank brauche ich für den Razer Clio X?
Razer verlangt USB-C Power Delivery 2.0 und nennt mindestens 15 Watt für volle Lautstärke. Für diesen Test gilt die konservativere Praxisempfehlung: mindestens 20 Watt PD 2.0 und ein echter USB-C-Ausgang an der Powerbank.
Brauche ich Razer Synapse wirklich?
Für die Grundeinrichtung läuft der Clio X über den HyperSpeed-Dongle, aber Synapse ist für EQ, Klangprofile und die Einbindung als Rear-Speaker im Surround-Setup sinnvoll. Ohne Software verschenkst du einen wichtigen Teil der Funktionen.



